Individuelle Förderung in der Jahrgangsstufe 9

Stärken fördern – das ist der Hintergrund des Unterrichts im Rahmen der individuellen Förderung in der Jahrgansstufe 9. Seit 2009 ersetzen diese Unterrichtsstunden die früheren Arbeitsgemeinschaften (AG) in Klasse 9 und 10, fälschlicherweise wird dieser Begriff aber auch heute noch oft verwendet. Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern Angebote außerhalb des Fächerkanons zu machen, die auf der einen Seite ihr Interesse wecken, andererseits aber auch von der Schule im Rahmen unseres Schulprofils als erhaltenswert angesehen werden. Die Bewertung der Leistungen in diesen Kursen werden nicht die normalen Notenstufen herangezogen, sondern die beschreibende Form „mit besonderem Erfolg teilgenommen / mit Erfolg teilgenommen / teilgenommen“. Sowohl für die Schülerinnen und Schüler als auch für die Lehrerinnen und Lehrer sind diese Angebote Pflichtstunden, es geht hierbei nicht um ein freiwilliges Angebot.

Rahmenbedingungen

  • Verpflichtend für alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9, zweistündig über ein Schuljahr in einer 7./8. Stunde
  • Keine Wechselmöglichkeit zum Halbjahr
  • Keine Benotung, aber eine Bewertung (s.o.) auf dem Halbjahreszeugnis und dem Versetzungszeugnis von Kl.9 nach 10.

Durchführung

  • Vorstellung des Konzeptes auf der Elternpflegschaftsversammlung im 2.Halbjahr Kl.8
  • Informationsgespräch für die Schülerinnen und Schüler zum Schuljahresende Kl.8 mit anschließender Erst- und Zweitwahl
  • Tauschmöglichkeit bei völliger Nichteignung nach pädagogischem Ermessen

Kursangbot:

Folgende Kurse zur individuellen Förderung werden aktuell angeboten:

  • Hauswirtschaft                       Projekte: TOT und Schulgartenfeste, kulinarisches Angebot
  • Projekt Theater                      Auftritt: Kultureller Abend „Walburgas Nacht“
  • Gestaltung/Design                 Gestaltung des Schulgebäudes
  • Schulband                              Schulband/Schulchor für Gottesdienste und öffentliche Auftritte
  • Informatik                             Erlernen einer Programmiersprache
  • Sozialprojekt Patenschaften Caritas Altenheim St. Elisabeth
  • Mofa                                       Erwerb der Mofa-Prüfbescheinigung

Inhaltliche Konkretisierung:

(1)       Hauswirtschaft

An der St. Walburga Realschule – eine ehemalige Mädchenrealschule – hat die Lehrküche und der damit verbundene Hauswirtschaftsunterricht eine lange Tradition. Das Fach Hauswirtschaft ist zwar im Fächerkanon der Realschule nicht mehr vorgesehen, wird aber dennoch im Bereich der individuellen Förderung ausschließlich in Klasse 9 unterrichtet und erfreut sich großer Beliebtheit. In diesen Bereich gehört selbstverständlich die Ernährungslehre und der daraus resultierende Umgang mit Lebensmitteln und deren Verwertung. So lernen die Schülerinnen und Schüler verschiedene Verfahren, wie zum Beispiel die Sterilisationsküche, das sog. „Einkochen“, kennen, um Lebensmittel vor dem Verderben zu schützen. Die Schülerinnen und Schüler erhalten zu jeder Theoriestunde Einblicke in die verschiedenen Arten von Lebensmitteln, deren Inhaltsstoffe und Verwertbarkeit für den Körper.

In den darauffolgenden Praxiseinheiten werden die zuvor besprochenen Lebens- bzw. Nahrungsmittel zubereitet und gemeinsam gegessen. Von den Schülerinnen und Schülern wird dieses Mittagessen als ein frohes Gemeinschaftserlebnis empfunden, das durch das gemeinsam vorgetragene Tischgebet unterstrichen wird.

(2)       Projekt Theater

Die theaterpädagogische Arbeit an der St. Walburga Realschule findet ihren Ausdruck in den „Kulturellen Abenden“, die sich unter dem Titel „Walburgas Nächte“ als Theaterreihe an unserer Schule etabliert haben.

Die Aufführungen entstehen in Zusammenarbeit von einem Stamm-Ensemble, zu dem die Schülerinnen und Schüler der „Individuellen Förderung“ aus den neunten Klassen gehören, und einem gecasteten Ensemble des Theater-Projekts, dessen Teilnehmer in verschiedenen Gruppenkonstellationen die Arbeit der Stammgruppe ergänzen. Das Casting, das gemeinsam durch die Schülerinnen und Schüler der „Individuellen Förderung“ und den Lehrer geschieht, ist so organisiert, dass sich hier bereits die besonderen Talente der Bewerber andeuten können

Den Schülerinnen und Schülern aller Jahrgangsstufen wird auf diese Weise die Möglichkeit gegeben, sich zu beteiligen mit dem Ziel, dass die Schülerinnen und Schüler von Klasse 5 bis Klasse 10 gemeinsam Theater spielen.

An Darstellungsformen kommt ein breites Spektrum zum Tragen: Tanz, Gesang und Schauspiel in verschiedenen Inszenierungsformen, u. a. Schwarzlichttheater, Schattenspiel, Pantomime; an Gestaltungsmitteln zum Bühnenbild und zur Akustik ist ebenfalls Abwechslungsreichtum gefragt: Film, Fotografie, Projektionen, instrumentale Livemusik, Playback. Dabei kommt natürlich auch Computertechnik zum Einsatz.

Die Theaterarbeit wird fächerübergreifend unterstützt: durch Musik und Band (musikalische Beiträge), Kunst und Design (Bühnenbild, Requisiten), Textilgestaltung (Kostüme) und Deutsch (Textvorlagen).

(3)       Gestaltung/Design

Das gestalterisch-künstlerische Förderangebot „Gestaltung/Design“ hat sich an unserer Schule aus der AG „Pop Art“ entwickelt. Heute eröffnet es Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit, sich intensiv und umfangreich mit künstlerisch-praktischer Gestaltung auseinanderzusetzen.

Neben individuellen Arbeiten für das eigene Zuhause widmen sich die Gestalter schwerpunktmäßig der Ausgestaltung des Schulgebäudes z. B. durch großformatige Wandmalereien oder durch eine abwechslungsreiche Flurgestaltung.

Die seit 2008 bestehende künstlerische Kooperation mit der Fachhochschule Südwestfalen eröffnet darüber hinaus für die Jugendlichen der individuellen Förderung „Gestaltung/Design“ die Möglichkeit zu jährlich wechselnden Ausstellungen im Hochschulgebäude des Standortes Meschede.

(4)       Schulband

Die Schulband steht den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 9 offen. Sie kann freiwillig in der Jahrgangsstufe 10 weitergeführt werden, wenn dem keine stundenplantechnischen Gründe entgegenstehen. Seit diesem Schuljahr steht die Schulband auch jüngeren Interessenten offen, die dann auf freiwilliger Basis daran teilnehmen. Besondere „Knotenpunkte“ im Schulleben sind auch dann die Auftrittsgelegenheiten vor Publikum. Die gilt insbesondere für die Entlassungsfeier der Abschlussklassen, die Mitgestaltung besonderer liturgischer Feiern (z.B. Entlassung, Patronatsfest) und bei der im Leitbild geforderten Prägung des Schullebens durch das Kirchenjahr („Adventsmusik im Treppenhaus“). Eine „offene Probe“ am Tag der Offenen Tür Ende Januar gehört genauso zum Programm der Schulband wie die Mitgestaltung der schulischen Karnevalsfeier oder der Schulfeste.

Das Repertoire ergibt sich entweder aus dem Bezug zum jeweiligen Anlass oder aber auch aus dem gemeinsamen Interesse der jeweiligen Formation, die sich jedes Jahr neu bildet. Die instrumentale Zusammensetzung hängt wesentlich von den Vorkenntnissen der Schülerinnen und Schüler ab, erklärtes Ziel der Schulbandarbeit ist es aber auch, motivierte Schülerinnen und Schüler neu heranzuführen an Instrumentales oder vokales Musizieren.

(5)       Informatik

Erlernen einer Programmiersprache

Die Schülerinnen und Schüler erlernen mit VisualBasic.Net über ein ganzes Schuljahr das Arbeiten mit einer modernen Entwicklungsumgebung von Microsoft. Mit VisualBasic kann man Windows-Programme mit Fenstern und Menüs programmieren, über Rechen- und Lernprogramme, Spiele und kleine Adventures sind viele einfache Anwendungen möglich, deren Entwurf und Umsetzung Schülerinnen und Schülern Spaß macht und ihnen gleichzeitig die wichtigsten Strukturen und Befehle einer Programmiersprache zugänglich macht. Gute Kenntnisse in Mathematik sind hilfreich, das selbständige Üben am PC zuhause wird angeregt, da ohne Training kein erfolgreiches Erlernen einer solchen Programmiersprache möglich ist. Alle Strukturen, Funktionen und Routinen lassen sich in weiteren Bildungsgängen in Schule oder Beruf auf komplexere und mächtigere Programmiersprachen übertragen.

Im Zeitalter der vielbeschworenen Digitalisierung, in dem jeder von uns Software, mittlerweile gängiger auch als App bezeichnet, wie selbstverständlich auf Computern, Tablets oder Handys nutzt, ist es wohl leicht nachvollziehbar, dass Schülerinnen und Schüler die Chance haben sollten, eine Programmiersprache auf ihrem Anspruchsniveau und mit altersgerechten Beispielen zu erlernen. So kann ein Grundverständnis davon, wie eine Zeile Programmcode etwa das Aussehen einer Website oder den Weg eines Roboters beeinflusst, dabei behilflich sein, Technologie als etwas Durchschaubares zu erleben. Denn die Strukturen, die in Programmiersprachen verwendet werden, sind immer und überall auf der Welt die gleichen, der Heranwachsende erlernt hier also quasi eine sehr universelle Fremdsprache. In einer Zeit, in der viele Probleme so aufgearbeitet werden, dass sie als Algorithmus von Computern oder von Maschinen ausgeführt werden können, schafft der Einblick in die Prinzipien des Programmierens oder gar die Begeisterung dafür einer Schülerin oder einem Schüler einen enormen Vorteil.

Problemlösungskompetenz erwerben – Das Erlernen einer Programmiersprache ist vor allem damit verbunden, das eigene Denken sauber zu strukturieren. Wenn ich etwas so gut verstanden

Form von Programmcode „beibringen“ kann, so schult dieses Planen extrem das Durchdenken, Abstrahieren und Modellieren, schlussendlich also genau die Schlüsselqualifikationen, die wir zum Problemlösen benötigen. Diese „computerhafte“ Herangehensweise kann später in beinahe jedem Berufsfeld bei der Lösung von Problemen behilflich sein.

Zu guter Letzt: Programmieren macht Spaß! – Es mag für manchen schwer vorstellbar sein, dass es Spaß bringt, vor dem Computer zu sitzen und Zeile um Zeile Programmcode in die Tastatur zu tippen. Und trotzdem hat es etwas Magisches, wenn der Code, den man gerade getippt hat, etwas in der Realität bewirkt, dass die Maschine genau das tut, was der Schüler oder die Schülerin ihr vorher „beigebracht“ hat.

(6)       Sozialprojekt Patenschaften

Das soziale Projekt Patenschaften kann von den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 9 im Rahmen der individuellen Förderung gewählt werden. Das „Caritas Seniorenzentrum St. Elisabeth“ ist seit 2004 fester Bestandteil als außerschulischer Lernort der St. Walburga Realschule. Das Haus ist eine Brücke; eine Brücke zwischen Lebendigkeit und Ruhe, zwischen Generationen, zwischen Pflegenden und Bewohnern.

Jede Woche besuchen Schülerinnen und Schüler die Senioren im Altenheim. In Zweier-Teams haben sie Patenschaften mit den Senioren übernommen. Diese Patenschaften haben einen beiderseitigen Nutzen für die Schülerinnen und Schüler und für die Senioren. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln und stärken durch die Praxiserfahrung ihre soziale Kompetenz. Durch Gespräche, Spaziergänge, ein gemütliches Eis essen und Spiel und Spaß sorgen die Jugendlichen für Unterhaltung und wirken dem Alleinsein der Senioren entgegen.

 Das Altenheim bietet einen Einblick in ein soziales Berufsfeld und dient für die Schülerinnen und Schüler als Berufsorientierung. Durch die Patenschaften wird die generationsübergreifende Verständigung gefördert, indem Jung und Alt im Gespräch miteinander – voneinander lernen. Alle Beteiligten werden für die andere Seite sensibilisiert und tragen zu einem besseren Miteinander in der Stadt bei.

Mofakurs

Der Kurs zur Erlangung der Mofa-Prüfbescheinigung kann zusätzlich freiwillig von den Schülerinnen und Schülern besucht werden, die Pflichtstunden der individuellen Förderung lassen sich damit jedoch nicht abdecken.

In einem Halbjahr werden sowohl die theoretischen Inhalte vermittelt, die dann zum Bestehen der theoretischen Prüfung führen sollen, als auch das praktische Fahren. Die fahrtechnischen Fertigkeiten werden nach ausreichender Trainingszeit durch eine Zwischenprüfung getestet. Jede Woche werden alltagsrelevante Situationen auf einem kleinen Verkehrsübungsplatz geübt. Am Ende dieses Ausbildungsteils steht die abschließende Praxisprüfung. Die theoretische Prüfung wird bei der TÜV Station in Meschede abgelegt.

Die Ausbildung an unserer Schule ist wesentlich umfangreicher als in privaten Fahrschulen. Die Unfallstatistiken der Polizei im Hochsauerlandkreis zeigen, dass Schülerinnen und Schüler, die ihre Ausbildung an einer Schule gemacht haben deutlich seltener in Unfälle verwickelt sind als diejenigen, die ihre Mofa-Prüfbescheinigung an einer Fahrschule erworben haben